Das Bürgermobil rollt langsam an

08. Juli 2017

Haltestelle
Bildquelle: NVBW

Unterschiedliche Kommunen, unterschiedliche Konzepte zum Bürgerbus: In Laimnau haben Referenten am Donnerstagabend über ihre Erfahrungen in Sachen Bürgerbus berichtet, über die Aufgaben und Vereinsentwicklung gesprochen und einen Impuls zum Handeln gegeben.

Seit Jahren wird die Anbindung der Ortschaften gefordert. Die Stadt hat reagiert, will das Stadtbussystem überarbeiten – mit dem Ziel, das System, um einen Bus zu reduzieren und damit Kosten freizumachen, die dann in ein Bürgerbus-Konzept investiert werden können. Rund 70 Kommunen in Baden-Württemberg haben bereits eine Form von Bürgerbus. In den Nachbargemeinden haben es etwa Nachbarschaftsorte wie Kressbronn, Meckenbeuren oder Amtzell.

Die einen fahren nach Personenbeförderungsgesetz, die anderen sind soziale Fahrdienste (siehe Kasten). Ingo Kitzmann ehemaliger promovierter Lehrbeauftragter an der Dualen Hochschule in Ravensburg hat etliche Projekte zur Bürgermobilität in der Bodenseeregion begleitet. Er geht in seinem Vortrag auf Fläche und Einwohnerdichte einzelner Bereiche ein, während Meckenbeuren oder Kressbronn eine höhere Dichte haben, sind Bereiche wie Langnau/Laimnau oder Tannau/Obereisenbach dünn besiedelt – vergleichbar der Einwohnerdichte Amtzells. Hans Roman, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „BürgerMobilität Amtzell“, erläuterte am Donnerstagabend das Amtzeller Konzept.

Anders als Meckenbeuren, das als funktionierendes Bürgerbus-Modell in drei Jahren mehr als 5000 Fahrgäste beförderte, hat Amtzell nicht das „klassische“ Bürgerbussystem gewählt, sondern fungiert vielmehr als ein sozialer Fahrdienst. Die wesentlichen Unterschiede zum klassischen Modell: Der Fahrdienst ist nicht nur eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr, sondern ein Modell, das einen Fahrdienst für eine spezielle Personengruppe anbietet. „Wie gewährleisten wir Mobilität für die ältere Bevölkerung?“ sei eine der grundlegenden Fragen gewesen mit denen sich die Gemeinde Amtzell zu Beginn auseinandergesetzt habe, so Roman. Die Idee mit Unterstützung des Verkehrsbunds bodo lediglich eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr zu sein, hat in Amtzell nicht gereicht. Die Fahrgäste sollten nicht nur zur nächsten Bushaltestelle, sondern zum Zielort gebracht werden. Während das Bürgermobil in Meckenbeuren nur innerhalb der Gemeinde unterwegs ist und damit, so Engelbert Sachs, Vorsitzender des Vereins, auch „ausgelastet“ ist, fährt das Amtzeller Mobil seine Fahrgäste auch in umliegende Gemeinden – etwas zu Fachärzten nach Tettnang, Wangen oder Ravensburg. Zudem gibt es keine festgelegten Haltestellen. Die Gäste werden an der Haustür abgeholt und dort auch wieder abgesetzt.

Die Motivation der Aktiven liegt also noch mehr im sozial-karitativen Bereich. Ein Großteil der Amtzeller Fahrgäste muss aber auch hilfsbedürftig sein und müssen damit auf die Hilfe anderer angewiesen sein. Rechtlich zählen dazu auch Kinder oder Personen, die älter als 75 Jahre sind. „Für uns kein Problem, weil wir genau für diese Personen Mobilität herstellen wollten“, so Roman. Es gibt auch die Übereinstimmungen, die die diversen Modelle haben: Es besteht eine Kooperation mit der Gemeinde, es braucht einen Trägerverein, für den Fahrbetrieb wird ein Fahrzeug des Trägers verwendet und es gibt ein großes Fahrerteam. Aber: „Es gibt nirgends zwei Bürgerbus-Vereine, die alles gleich machen“, sagt Sachs. Kennzahlen zu Fläche oder Einwohnerdichte, die Ingo Kitzmann am Anfang angesprochen hat, sind Anhaltspunkte und Vergleichsgrößen, weisen aber noch auf keine Lösung für ein passendes Modell. Immer wieder klingt es an dem Abend durch: „Ihr müsst wissen, was ihr wollt“, so Hans Roman. Kitzmann plädiert dafür, dass sich noch am Abend ein Arbeitskreis Bürgerbus findet und dass sich Interessierte in eine Liste eintragen. Und tatsächlich, rund 20 Personen haben sich bereits eingetragen. Die anstehenden Aufgaben: Das Projekt auf den Weg bringen und ein Konzept der Machbarkeit auszuarbeiten.

Quelle: Schwäbische Zeitung

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