Trotz Corona-Pandemie und Lockdown

Bürgerbus Denkendorf fährt: „jetzt erst recht.“

16. Dezember 2020

Bürgerbus Denkendorf
Bürgerbus Denkendorf, Foto: J. Hofmann

Trotz Corona-Pandemie fährt der Denkendorfer Bürgerbus zwischen den Jahren weiter. Frank Moosberger, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, erklärt die Gründe.

Der Denkendorfer Bürgerbus ist eine Erfolgsgeschichte. Seit mittlerweile fast 10 Jahren fährt er durch die schwäbische Gemeinde im Landkreis Esslingen und hat in dieser Zeit über 43000 Fahrgäste ans Ziel gebracht. In Anbetracht der hohen Corona-Fallzahlen im Dezember 2020 und des damit verbundenen Teillockdowns stand das Bürgerbusteam vor der Frage: Weiterfahren oder pausieren? „Wir machen weiter auch zwischen den Jahren“, sagt Frank Moosberger, der erste Vorsitzende des Bürgerbusvereins. „Es gibt hier im Ort Menschen, die auf den Bürgerbus angewiesen sind. Die wollen wir nicht im Stich lassen. Wir haben uns gesagt: jetzt erst recht!“

Die 11 000-Einwohner-Gemeinde hat ein Ober- und ein Unterdorf, die durch einige Höhenmeter getrennt sind. Früher gab es im Ortskern noch die Geschäfte des täglichen Bedarfs. Heute befinden sich diese auf der grünen Wiese außerhalb von Denkendorf. Vor allem für Menschen, die aufgrund ihres gehobenen Alters oder der Gesundheit nur noch eingeschränkt mobil sind, sind sie nur schwer zu erreichen. „Viele betagte und hochbetagte Menschen brauchen den Bürgerbus. Ihre Kinder sind in die Städte gezogen, um dort zu arbeiten. Die können ihre Eltern nicht unterstützen“, sagt Moosberger.

Insgesamt hat der Denkendorfer Bürgerbus derzeit 29 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer aus allen Gesellschaftsschichten. Viele von ihnen machen trotz Corona weiter. „Mich beeindruckt, wie viele Menschen sich hinters Steuer setzen, ohne dafür auch nur einen Euro zu bekommen. Selbst unser Weihnachtsessen, ein Dankeschön an alle die mitmachen, muss dieses Jahr ausfallen“, sagt Moosberger, der selbst als Polizist arbeitet.

Um das Infektionsrisiko im Bürgerbus auf ein Minimum zu reduzieren, müssen Fahrgäste eine Maske tragen. Eine Trennscheibe zum Schutz der Fahrerinnen und Fahrer ist in den Bürgerbus eingebaut worden, die das Land Baden-Württemberg bezahlt hat. Zudem dürfen derzeit nur vier statt acht Passagiere an Bord sein. Um den Abstand zwischen den Fahrgästen zu gewährleisten, haben die Denkendorfer die Hälfte der Sitze im Kleinbus abgesperrt. Auch beim Ein- und Aussteigen dürfen die Fahrerinnen und Fahrer nicht mehr helfen. „Die Fahrgäste müssen ihren Rollator gegebenenfalls selbst in den Bus hineinlupfen“, so Moosberger.

Vor der Pandemie hatte der Bürgerbus, der von Montag bis Freitag verkehrt, 20 bis 30 Fahrgäste pro Tag. Aktuell sind es noch sechs bis zehn. „Aufgrund der verringerten Kapazität und weil wir vermeiden wollen, dass sich zu viele Menschen im Bus begegnen, fahren wir jetzt sogar noch häufiger. Damit wir die Vielzahl der Fahrten bewältigen können, ist der Bus auf einer verkürzten Runde von einer halben statt von einer Stunde unterwegs“, so Moosberger. In die entlegenen Ortsteile fährt der Bus derzeit nicht. Er startet am Altenheim und steuert das Rathaus, Banken und Supermärkte an.

Der Denkendorfer Bürgerbusverein finanziert den Bus unter anderem durch Sponsorengelder aus dem Gewerbe, Spenden und Zuschüsse. Dennoch sei der Bus „keine Fahrende Litfaßsäule“, wie Frank Moosberger betont. Die Sponsoren kaufen Anzeigen in einer Bürgerbroschüre, die jährlich erscheint. Die Werbeeinnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung des Busses und des Betriebs.

Dank des Einsatzes von Frank Moosberger und seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter können alle Menschen in Denkendorf während der Feiertage und der darauffolgenden Wochen im Lockdown die Wege bewältigen, die auch während der Pandemie notwendig sind. Darauf können die Denkendorfer stolz sein.

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