"Es ist an der Zeit aufzuhören" - Ex-Klinikdirektor Helmut Borgmann beendet Bürgerbusfahrten

15. April 2015

Helmut Borgmanns 500. Fahrt
Bildquelle: Bürgerbus Bad Krozingen e.V. / Gerhard Endres
Helmut Borgmann
Bildquelle: Susanne Müller

Bad Krozingen. Auf der Beliebtheitsskala rangieren sie ganz oben in der Kurstadt: die Bürgerbusfahrer. Einer von ihnen ist Ex-Klinikdirektor Helmut Borgmann. Kürzlich setzte er sich zum 500. Mal hinters Steuer. Weit kam er auf dieser geradezu historischen Tour aber nicht, denn es stand schon eine Gratulantenschar für ihn Spalier, mit einer großen Pulle Sekt in der Hand.

Den Korken knallen ließen sie natürlich nicht gleich. Dienst ist Dienst, auch wenn es ein ehrenamtlicher ist, und Schnaps ist Schnaps, und dieser ist für die 50 Bürgerbuslenker während der Arbeit selbstredend tabu. Auch wenn sie ab und an ein Tröpfchen geschenkt bekommen von einem der vielen treuen und dankbaren Fahrgäste. "Eine Tafel Schokolade oder Pralinen gibt es ebenfalls mal", erzählt Borgmann, der im Laufe der vergangenen zwölf Jahre viel erlebt hat bei den Fünfstunden-Schichten mit der weiß-blauen Flotte, und dabei mehr als 30 000 Kilometer in Bad Krozingen im Kreis gefahren ist. "Bürgerbusfahren macht einfach Spaß", findet Borgmann, "man sieht viel vom Leben in der Stadt, man hat viele nette Kontakte und Gespräche, und man ist stets bestens informiert, was so passiert im Städtchen."

Doch jetzt ist damit Schluss. "Ich bin 78, es ist an der Zeit aufzuhören", sagt Borgmann. Die Hände in den Schoß legen will er künftig dennoch nicht, er kann sich vorstellen in einem anderen Bereich mitzuhelfen, bei der Tafel etwa, so sagt er, und wenn bei der Bürgerbusflotte Not am Mann herrsche, springe er ebenfalls ein – so lange seine Personenbeförderungslizenz noch nicht abgelaufen sei. Denn für diese musste er 2003, nachdem er den "Job" als kaufmännischer Direktor der Lazariterklinik 1999 aufgegeben hatte, erst noch einmal in die Fahrschule, zwecks Erwerb der jeweils vier Jahre geltenden Beförderungslizenz inklusive medizinischer Untersuchung.

Den Pkw-Führerschein hatte er schon mit 23 Jahren in Essen gemacht, und er sei immer viel unterwegs gewesen mit dem Auto, sei oft an die Ostsee ins eigene Ferienhäuschen gefahren oder auf Familienbesuch zum Bruder in Berlin. Beim Bürgerbusverein engagierte Helmut Borgmann sich auch im Vorstand, außerdem kümmerte er sich um die Fahrpläne sowie die Kleidung und die Werbung.

Am liebsten war er jedoch unterwegs, auf den "Slalomrouten" Richtung Oberdorf und dann am Kemser Dom vorbei – nächster Halt Herzzentrum. Die Tour, die nach Oberkrozingen führt, ist immer die erste morgens, es fahren viele Beschäftigte des Herzzentrums nach der Ankunft am Bahnhof mit. Schüler sind ebenfalls dabei. Früher gab es sogar einen Halt beim Kreisgymnasium. Doch dann standen morgens immer mehr Schüler vor dem Achtsitzer Schlange. "Das ließ sich nicht bewältigen."

Das zeigt jedoch, dass es keineswegs so ist, dass der barrierefrei zugängliche Bürgerbus vorwiegend von älteren Menschen benutzt wird. "Das hält sich die Waage, die Senioren sind halt etwas später am Tag zugange", schildert Borgmann. Die Welt des Bürgerbusfahrers ist ein lebendiger Kleinkosmos. Man sei zugleich Fahrer, Navigator, Nachrichtenzentrale sowie Einkaufsberater, stellt Borgmann fest. "Der eine will wissen, wo er hier Reißzwecken kaufen kann, der andere sucht eine bestimmte Straße."

Die Bürgerbuscrew befördert seit der Jungfernfahrt (von Bus Linus) im Juli 2004 – nach dem Aus für den City-Kur-Bus – jährlich rund 90 000 Fahrgäste. "Unfallfrei", betont Borgmann, und er schätzt: "In diesem Jahr werden wir wohl Passagier Nummer 100 000 begrüßen können." Einen betrüblichen Aspekt verbindet Borgmann jedoch auch mit dem Bürgerbusfahren. "Man lernt die Leute im Laufe der Zeit kennen, man sieht sie regelmäßig, plaudert nett, und dann, eines Tages, sieht man sie nicht mehr."

Bild oben (von links): Der Vorstand des Vereins Bürgerbus Bad Krozingen gratuliert: Ulrich Averesch (Vorstandsmitglied), Gerd Endres (Fahrer-Obmann), Stefanie von Detten (zuständige Sachbearbeiterin im Rathaus), "Jubilar" Helmut Borgmann, Peter Franken (Vereinsvorsitzender bis 28.4.2015) und H. Werner Fischer (2. Vorsitzender).

Bild unten: Helmut Borgmann

Quelle: Badische Zeitung

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