Schramberger Bürgerbus

Frauen-Power hinterm Steuer

17. Mai 2021

Inge Kaufmann fährt den Bürgerbus in Schramberg. Foto: Lara Kiolbassa

Inge Kaufmann fährt seit August vergangenen Jahres den Schramberger Bürgerbus. Frauen hinterm Steuer sind bei Bürgerbussen immer noch selten.

Die Sulgenerin chauffiert den Bürgerbus einmal pro Monat an einem Freitagvormittag über den Sulgen. Inge Kaufmann war es wichtig, sich ehrenamtlich für die Stadt und ihre Bürger zu engagieren. Im Bürgerbusverein sah sie dabei eine gute Möglichkeit, um sich flexibel und ohne Zwang mit ihrem Engagement einzubringen. Wie häufig sie fahren möchte und an welchen Tagen bleibt dabei vollständig ihr selbst überlassen. Diese Freiheit gefällt Inge Kaufmann sehr gut. Auch das Fahren bereitet ihr Freude.

„Voraussetzung ist natürlich, dass einem auch das Autofahren Spaß macht“, erklärt sie. Dennoch sei das Steuern des Bürgerbuses nicht mit einem Auto zu vergleichen. Das Fahrgefühl verändere sich nicht nur durch das größere Volumen des Busses, auch die erhöhte Sitzposition des Fahrers erlaube einen völlig veränderten Blickwinkel auf die Straße und die Umgebung. Besonders wichtig sei es, beim Fahren konzentriert zu bleiben, um den Fahrplan bestmöglichst einhalten zu können. „Das braucht am Anfang ein bisschen Zeit“, erzählt Kaufmann. Zunächst habe sie ein paar Mal ausprobieren müssen, in welchem Tempo sie am besten den Fahrplan einhalten könne. Doch das spiele sich schnell ein. Auch die Ausbildung habe sich sehr unkompliziert gestaltet.

Aus Interesse habe sie an einer Mitgliederversammlung im Frühjahr teilgenommen und sich als Fahrerin beworben. Darauf folgten ein Erste-Hilfe-Kurs, ein Sehtest und der obligatorische Besuch beim Landratsamt, bevor die Ausbildung mit einer Probefahrt gemeinsam mit Fahrerobmann Enrico Planötscher abgeschlossen wurde. Bei der Probefahrt werde nützliches Wissen rund um die technischen Eigenheiten des Busses, aber auch hinsichtlich der speziellen Fahrweise erklärt, so Kaufmann. Da mit dem Bürgerbus vorwiegend ältere Personen transportiert würden, sei es besonders wichtig viel Ruhe und Geduld mitzubringen und auch flexibel in Bezug auf leichte Verzögerungen des Fahrplanes zu sein. „Es ist nie genau abschätzbar, wie viel Zeit zum Ein- und Aussteigen benötigt wird.“ Besonders gut besucht seien die zweite und dritte Runde über den Sulgen, so Kaufmann. Die beliebteste Halltestelle sei die am Edeka-Parkplatz, dicht gefolgt von der am Parkplatz des Friedhofs.

Viele der älteren Fahrgäste nutzten den Bürgerbus um einkaufen zu gehen oder den Friedhof zu besuchen, so denkt sie. Bisher seien alle Fahrgäste durchweg freundlich und höflich gewesen, freut sich Kaufmann. Häufig unterhalte sie sich mit den Fahrgästen während der Fahrt, was sie persönlich als sehr schön empfindet. Es freut sie, dass gerade älteren Menschen durch den Bürgerbus ein Stück Selbstständigkeit erhalten bleiben. Es sei sehr wichtig, das Bewusstsein der Schramberger Bürger für den Bus zu sensibilisieren, damit dieser von noch mehr Leuten genutzt werde.

Nachdem ihre letzte Runde um 12.23 Uhr an der Haltestelle Rose auf dem Sulgen endet, fährt Kaufmann den Bus wieder nach Schramberg. Dort desinfiziert sie alle Griffe im Bus und füllt das Hygienebuch sowie das Fahrtenbuch aus. Das Fahrerteam stellt das Herzstück des Bürgerbusvereins dar. Ohne engagierte Mitglieder wie Inge Kaufmann wäre das Konzept des Bürgerbusses undenkbar. Aus diesem Grund ist der Bürgerbusverein Schramberg immer auf der Suche nach neuen ehrenamtlichen Fahrern ab 21 Jahren, die den Verein unterstützen möchten. Interessierte können sich direkt an den Bürgerbusverein wenden, so wie es auch Inge Kaufmann getan hat.

Lara Kiolbassa

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