Finanzierung und Fördermöglichkeiten

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Neue Mobilitätsangebote benötigen nicht nur bürgerschaftliches Engagement, sondern auch Geld für Fahrzeuge, Betriebskosten und vieles andere.

Es gibt in Baden-Württemberg sowie auf Bundes- und EU-Ebene unterschiedliche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Nur wenige Fördermöglichkeiten wenden sich dabei ganz konkret an Bürgerbus-, Fahrdienst- und ähnliche Mobilitätsinitiativen. Oft kann für ehrenamtlich initiierte Mobilitäts-Projekte aber auch „auf Umwegen“ über Themen wie „Soziale Teilhabe“, „Daseinsvorsorge und Nahversorgung“ und ähnlichem ein geeigneter Fördertopf gefunden werden.

In dem Fact Sheet zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten finden Sie eine Zusammenstellung mit Basisinformationen und Links zur Antragsstellung. Der Schwerpunkt liegt auf Finanzierungsmöglichkeiten, die im Land Baden-Württemberg verfügbar sind.

Weitere Infos zu öffentlichen Fördermitteln erhalten Sie Bereich Beratung und Förderung.

Weitere externe Infos:

Kann man für die Finanzierung eines Gemeinschaftsverkehrs auch Crowdfunding einsetzen?

Crowdfunding oder Schwarmfinanzierung ist ein relativ neues Finanzierungsinstrument, das im letzten Jahrzehnt insbesondere für die Privatwirtschaft, aber auch für den sozialen und zivilgesellschaftlichen Sektor erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Seine wesentlichen Charakteristika sind,

  • dass ein Projekt durch eine Vielzahl von Unterstützern finanziert wird, und
  • dass der Projektinitiator (z.B. Startup, Sozialunternehmer) die Mitfinanzierung über das Internet (z.B. über spezielle Internetplattformen) potenziellen Geld- und Kapitalgebern (z.B. Spendern, Investoren) anbietet.

Crowdfunding kann dabei sehr unterschiedliche Formen annehmen. Gegenstand der Finanzierung können kommerzielle wie soziale oder kulturelle Projekte, Dienstleistungen oder Leistungen sein. Grundsätzlich gilt das Alles- oder Nichtsprinzip. Das Heißt, dass falls die angestrebte Summe (Fundingziel) nicht innerhalb einer festgelegten Frist erreicht wird, die Unterstützer ihr Geld zurückerhalten.

Crowdfunding wird in der Regel über spezielle Plattformen organisiert. Darüber können möglicherweise neue Personen- und Institutionenkreise für eine Unterstützung gewonnen werden. Eine Crowdfunding-Finanzierung ist allerdings – wie jede Suche nach Fördermitteln – mit einem gewissen Aufwand verbunden.

Grundsätzlich kann Crowdfunding auch im Bereich des Gemeinschaftsverkehrs eingesetzt werden. Allerdings können Kommunen hier aus rechtlichen Gründen nicht selbst aktiv werden. Für die Suche nach einer geeigneten Plattform und zur weiteren Einführung lesen Sie hier ein Vertiefungsdokument zum Thema „Crowdfunding als Finanzierungsinstrument“.

Was ist beim Sponsoring von Gemeinschaftsverkehren durch Unternehmen zu beachten?

Beim Sponsoring stellt ein Unternehmen Einzelpersonen, Personengruppen oder Organisationen Geld- und/oder Sachleistungen für sportliche, soziale oder andere gesellschaftliche Zwecke zur Verfügung. Es erhält im Gegenzug vom Gesponserten einen wirtschaftlichen Vorteil.

Der Vorteil des Sponsorings besteht für das Unternehmen darin, dass es die Aufwendungen relativ einfach und unbegrenzt als Betriebsausgaben absetzen kann. Förderung und Gegenleistung müssen dafür in keinem ausgeglichenen Verhältnis stehen.

Die Gemeinnützigkeit des Zuwendungsempfängers ist keine Voraussetzung für die Anerkennung als Betriebsausgabe. Daher ist Sponsoring besonders für Bürgerbusvereine interessant, die nicht den steuerlichen Gemeinnützigkeitsstatus besitzen.

Weitere Infos zum Einsatz von Sponsoring zur Unterstützung von Gemeinschaftsverkehren finden Sie in unserem Fact Sheet.

Weitere externe Links:

Was können Kommunen tun, um ein bürgerschaftliches Angebot zu fördern?

Um die Attraktivität bürgerschaftlichen Engagements als Stadt oder Kommune zu fördern, können verschiedene Ansätze miteinander kombiniert werden.

Der ehrenamtliche Fahrdienst kann durch eine hauptamtliche Koordination unterstützt werden, die die Organisation sowie Planungs- und Verwaltungsaufgaben übernimmt. Ein/e hauptamtliche/r Ansprechpartner*in der Stadt- oder Kommunalverwaltung ermöglicht es den ehrenamtlichen Fahrer*innen und ggf. Organisator*innen, bei Fragen und Problemen schnell Unterstützung zu erhalten. Eine gute Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt trägt dazu bei, dass der Fahrdienst reibungslos und dauerhaft funktionieren kann.

Die wichtigste Motivation für das Ehrenamt ist für die Engagierten das Gefühl, gebraucht zu werden. Neben dem direkten Ausdruck der Dankbarkeit durch Nutzer*innen der Fahrdienste kann die Kommune hier einen entscheidenden Beitrag leisten: Sie sollte den Ehrenamtlichen ihre Anerkennung für das geleistete Engagement öffentlich zeigen, beispielsweise durch die Verleihung eines Ehrenamtspreises oder die Würdigung bei öffentlichen Anlässen. Ebenfalls gerne eingesetzt, wird die Einladung der Ehrenamtlichen des Fahrdienstes zu einem gemeinsamen Essen (z.B. zu Weihnachten) einmal im Jahr. Auch die Bezahlung von Getränken für regelmäßige, interne Fahrdienstbesprechungen, wird gerne als wertschätzende Geste angenommen.

Partizipation und Mitbestimmung sind zentral für die Förderung von Engagement. Regelmäßige Treffen der ehrenamtlichen Fahrer*innen bieten ihnen Gelegenheit zum Austausch von Erfahrungen und Herausforderungen. Sie können Wünsche und Vorschläge gemeinsam diskutieren, formulieren und an die hauptamtlichen Koordinator*innen/Ansprechpartner*innen weitergeben, welche dann bei der Umsetzung von Lösungen unterstützen.

Kostenfreie Weiterbildungen wie Fahrtrainings oder Erste-Hilfe-Kurse sind für die ehrenamtlichen Fahrer*innen attraktiv, weil sie sich damit Kompetenzen aneignen können. Diese können neben dem Ehrenamt zudem im privaten Bereich nützlich sein und/oder im Berufsleben als Qualifikation dienen.

Den Fahrer*innen darf kein finanzieller Nachteil durch ihr Engagement entstehen. Anfallende Kosten, z.B. für Versicherungen, Parkscheine oder den Personenbeförderungsschein, sollten deshalb von der Stadt bzw. Kommune übernommen werden.

Die Kommunen unterstützen die ehrenamtlichen Fahrdienste zudem durch die Bereitstellung von Sachleistungen. Dies kann z.B. die Bereitstellung eines Büroraums für den Telefondienst und/oder eines Raumes für die regelmäßigen Dienstbesprechungen der Fahrerinnen und Fahrer beinhalten sowie die Bereitstellung von benötigtem Büromaterial, (Mobil-)Telefonen und Computern.  

In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Netzwerke und Verbände, in denen Kommunen teilnehmen können. Dort besteht die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und Netzwerken, aber auch Partnerschaften und Kooperationen können geschlossen werden. Eine Übersicht über die wichtigsten kommunalen Netzwerke und Verbände des Landes Baden-Württemberg zu Ehrenamtlichen Engagement finden Sie auf der Seite des Sozialministeriums.

Wie hoch dürfen die Fahrpreise sein und welcher Preis ist sinnvoll?

Bei dieser Frage ist zunächst zu unterscheiden, ob es um einen Verkehr im ÖPNV (mit Genehmigung) geht oder um einen genehmigungsfreien Verkehr (zur Unterscheidung Kapitel 4 im Bürgerbus-Leitfaden 2020.

Bei einem Verkehr mit Genehmigung legt der Betreiber den Fahrpreis (Tarif) fest. Meist werden hier eher niedrige und einfach zu handhabende Preise angesetzt, zum Beispiel 1 Euro pro Fahrt. Die Tarife sind Teil der Genehmigung, eine Änderung muss daher mit der zuständigen Behörde abgestimmt werden. Für eine bessere Einbindung in das weitere Verkehrsangebot sollte mit dem örtlichen Verkehrsverbund über eine Anerkennung des Verbundtarifs gesprochen werden.

Bei genehmigungsfreien Fahrdiensten dürfen nur Unkostenbeiträge erhoben werden. Diese dürfen die Betriebskosten der Fahrt nicht übersteigen. Zur Höhe solcher Kostenbeiträge gibt es eine Handlungsempfehlung des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur BW. Demnach sollten diese Einnahmen 0,30 €/km nicht überschreiten.

Weitere Informationen finden Sie auf Seite 43 im Bürgerbus-Leitfaden 2020.