"Der Bürgerbus geht am ländlichen Raum vorbei“ – Leitz setzt sich für mehr Bürgerautos ein

13. Oktober 2016

Symbolbild eines Buergerbusses
Bildquelle: Schwäbische Zeitung

„Der Bürgerbus geht am ländlichen Raum vorbei“, sagt Alexander Leitz, Geschäftsführer von „Leitz Verwaltung und Wirtschaft“, zuständig für Gemeinden- und Dorfentwicklung. Zwar sehe das Land laut Koalitionsvertrag Unterstützung beim Ausbau ehrenamtlich basierter Bürgerbussysteme vor, ein Bürgerbus, wie der Stadtbus in Pfullendorf, würde sich jedoch für Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohner kaum lohnen – sowohl aufgrund der hohen Anschaffungskosten als auch wegen zu geringer Auslastung.

Alexander Leitz, der auch Wirtschaftsförderer von Hohentengen ist, wünscht sich sogenannte Bürgerautos, die in anderen Regionen schon erprobt werden und ohne festen Fahrplan von Weiler zu Weiler fahren. Gesteuert werden sie, wie Bügerbusse auch, von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern, die aber über eine spezielle Rufnummer kontaktiert werden können. Die Fahrt kostet pauschal zwei bis drei Euro.

In Herdwangen-Schönach wird derzeit ein Pilotprojekt zur Mobilität im ländlichen Raum, „Modavo“, durchgeführt, das aufgrund der zerklüfteten Ortsstruktur Herdwangen-Schönachs auf die Struktur des Landkreises übertragen werden könnte. Dort hatten jüngst Ehrenamtliche aus Kusterdingen das Modell Bürgerauto vorgestellt, das dort schon erprobt wird.

Die Ergebnisse dieses Treffens bringen Leitz zur Annahme, dass Bürgerautos genau das Richtige für den Kreis Sigmaringen wären. „Bei der Bürgerversammlung kam heraus, dass der Bürgerbus eben nicht für die Modellgemeinde und somit für den Kreis geeignet wäre“, so Leitz. Das Bürgerauto hingegen sei eine wirksame Lösung für kleinere Ortschaften, in denen es viel Individualverkehr und schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gebe.

Der Bürgerbus ist nicht zu verwechseln mit dem Regiobus: „Der Regiobus wird gut angenommen, aber bei der Bürgerversammlung kam der Wunsch nach einer weiteren Linie auf. Wir brauchen für den ländlichen Raum eine flexible Flächenlösung“, sagt Leitz. „Zum Beispiel für das Kind, das mittags zur Musikschule gefahren werden muss, oder die Seniorin, die in die Stadt möchte.“

Starten, schlägt Leitz vor, könnte man das Projekt in Hohentengen, denn dort seien die Bedingungen aufgrund der acht Teilorte optimal. „Fördergelder für innovative Mobilitätskonzepte, die Kreise vom Land oder Bund bekommen können, sollte man in konkrete Maßnahmen, also die Anschaffung eines Bürgerautos, investieren dürfen“, findet Leitz. Derzeit ist das nämlich nicht erlaubt. Leitz schlägt die Anschaffung von Gebrauchtwagen vor. „Es sollte eine Initiative vor Ort geben, die es wert ist, Geld vom Land zu bekommen.“

Alexander Leitz hat jüngst eine Mail an den Gemeindetag, das Verkehrsministerium sowie an die Landtagsabgeordneten geschrieben, in der er dafür plädiert, dass bei der Neuauflage des Programms Bürgerbus, welche derzeit erfolgt, auch das Konzept der flexiblen Bürgerautos aufgenommen wird. „Man könnte die anfallenden Kosten ja dritteln, einen Teil zahlt das Land, einen der Verein mit Hilfe von Sponsoren, die etwa ihr Logo auf das Auto drucken lassen können, sowie ein Drittel die Gemeinde“, schlägt Leitz vor.

Für seine Initiative hat er auch schon Unterstützung – vom der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg sowie von den „Modavo“-Verantwortlichen – bekommen. Nun muss Landtag über eine etwaige Änderung entscheiden. Noch ist Leitz skeptisch, ob sein Vorschlag angenommen wird. „Es geht um die Frage, inwieweit sich die Landesregierung mit dem ländlichen Raum identifiziert.“

„Kommunale Aufgabe“
„Das Modell Bürgerauto wird vom Landkreis in Gesprächen mit den Bürgermeistern und interessierten Bürgern vor Ort immer positiv thematisiert“, berichtet Max Stöhr, Fachbereichsleiter Kommunales und Nahverkehr, vom Landratsamt. In jeder Stadt oder Gemeinde im Kreis gebe es zum Thema „alternative Beförderungsmöglichkeiten für den ländlichen Raum“ eigene Vorstellungen und andere Rahmenbedingungen. „Wie bei den beiden Bürgerbussen in Ostrach und Pfullendorf sehen wir dies als primär kommunale Aufgabe an“, so Stöhr. Eine finanzielle Unterstützung des Landkreises sei zurzeit nicht vorgesehen.

Im Rahmen des Modellvorhabens Modavo bewerbe sich der Landkreis derzeit um zusätzliche Finanzmittel. Sollte hier der Zuschlag erfolgen, könnten diese Mittel auch zur Anschubfinanzierung im Bereich Gemeinschaftsverkehr und alternative Mobilitätslösungen genutzt werden, berichtet Stöhr.

Das Thema Mitfahrangebot, beispielsweise über Apps wie „Flic“, welche auch schon im Kreistag vorgestellt wurde, werde laut Stöhr derzeit auch im Rahmen des Bundesmodells Modavo besprochen. Dieses Angebot stehe nicht in Konkurrenz zu Bürgerautos, sondern könne diese ergänzen.

Am 27. Oktober findet ein Workshop statt, bei dem über solche Lösungen diskutiert wird. Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben.

Quelle: Schwäbische Zeitung / Anna-Lena Buchmaier

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