KOMOBIL2035: Haupt- und Ehrenamtliche schaffen gemeinsam Mobilitätsangebote

Das Projekt KOMOBIL2035 hat untersucht, wie Mobilität auch in Zukunft für alle Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum gesichert werden kann.

Im Fokus des Projektes „Koordinierung von Haupt- und Ehrenamt im ländlichen Raum am Beispiel der Koproduktion von Mobilitätsdienstleistungen“ (KOMOBIL2035) standen das bürgerschaftliche Engagement und die Zusammenarbeit von Hauptamt und Ehrenamt bei der Organisation von Bürgerbussen, Bürgerrufautos und anderen Mobilitätsangeboten. Die Projektpartner untersuchten beispielhaft die Region Ostwürttemberg. Das Projekt startete im Mai 2017 und endet im Februar 2020.

Warum werden Gemeinschaftsverkehre betrieben?

Mobil zu sein, ist die Voraussetzung für die Teilhabe am öffentlichen Leben. In vielen ländlichen Räumen gehen Gemeinden deshalb neue Wege, um die Versorgung ihrer Bevölkerung mit Angeboten des täglichen Bedarfs zu sichern und die Attraktivität der Kommune weiterhin aufrecht zu erhalten oder zu steigern. Um dies zu gewährleisten, ist ehrenamtliches Engagement unverzichtbar geworden. Vor Ort unterstützen zunehmend aktive Bürger Angebote der Daseinsvorsorge wie Bürgerbusse und -rufautos und gestalten somit das gesellschaftliche Leben.

Wie sehen Fahrdienste, die auf freiwilligem Engagement beruhen, aus?

Bürger fahren Bürger – so lautet das Prinzip engagementbasierter Mobilitätsangebote. Um eine ausreichende Mobilität sicherzustellen, haben sich viele verschiedene Mobilitätsangebotsformen herausgebildet, die mit jeweils wechselnden Flexibilisierungsgraden und Organisationskonzepten auf die lokal unterschiedliche Raumstruktur und Nachfrage reagieren. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, ein solches Angebot zu entwickeln. Mehr dazu erfahren Sie auf den Seiten der Angebotsformen (Bürgerbusse, Bürgerrufautos und Co).

Welche Herausforderungen für die Gemeinschaftsverkehre zeichnen sich ab?

Viele Initiativen betreiben ihre Angebote mit großem Engagement, und auch auf Seiten von Bevölkerung und Politik werden große Erwartungen in sie gesetzt. Das Engagement ist jedoch freiwillig – es soll den Ehrenamtlichen weder zur Last fallen noch von ihnen als Pflicht wahrgenommen werden. Daher müssen bei jedem Projekt die Motivation und Grenzen der Aktiven erkannt und die richtige Unterstützung bereitgestellt werden. KOMOBIL2035 hat daher einen Schwerpunkt auf diese Themen gelegt.

Erfolgsfaktoren und Hindernisse für ehrenamtliches Engagement

Das Projekt KOMOBIL2035 hat Antworten auf die Fragen gesucht, inwieweit die heute vorhandenen ehrenamtlichen Strukturen auch in den kommenden Jahren verfügbar sind und wie diese langfristig aufgebaut und unterstützt werden können. Hinter dem Projekt steht eine breites Konsortium aus Regionalverband Ostwürttemberg, Landkreis Heidenheim, Ostalbkreis, Gemeinde Rainau, nexus Institut, Planungsbüro pakora.net, Philipps Universität Marburg, und Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW). In wissenschaftlichen und praxisorientierten Untersuchungen haben die Projektpartner die wichtigsten Erfolgsfaktoren und Hindernisse für ehrenamtliches Engagement im Bereich der Mobilität identifiziert.

Erfolgsfaktoren

  1. Koordination vor Ort mit relevanten Akteuren: Die Zusammenarbeit mit staatlichen Akteuren auf Kreis und Gemeinde-Ebene ist essentiell, aber auch Akteure aus dem sozialen Umfeld (wie z. B. Kirche oder Nachbarschaftshilfe) leisten oft einen wichtigen Beitrag.
  2. Einbindung in den Ort: Personen, die nicht mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sind, haben größere Schwierigkeiten. Eine enge Verwurzlung ist daher ein relevanter Faktor für die Arbeit Ehrenamtlicher.
  3. Persönliche Ansprache Freiwilliger: Wer Ehrenamtliche rekrutieren möchte, empfindet diese Aufgabe oft als schwierig. Der persönliche Kontakt stellt aus diesem Grund einen wesentlichen Bestandteil dar. Das Eingehen auf die persönlichen Anforderungen und Tätigkeitsprofile der Freiwilligen steigert die Erfolgschancen.
  4. Nutzung von Best-Practice-Beispielen: Gerade in der Gründungsphase ist es sinvoll, bewährte Verhaltens- und Funktionsweisen bestehender Fahrdienste zu übernehmen. 

Hemmnisse

  1. Probleme bei der Freiwilligenrekrutierung und Nachfolge: Gerade in Leitungspositionen kumuliert sich eine Vielzahl von Aufgaben und Verantwortung. Die Leitungspositionen verlieren dadurch an Attraktivität. Das erschwert die Weitergabe an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin.
  2. Keine Grenzen in der Beanspruchung Freiwilliger durch die Fahrgäste: Dadurch entsteht ein Gefühl der Ausbeutung und Überlastung.
  3. Wenig konkrete Vorstellung der Kümmerer/Freiwilligen vom Tätigkeitsprofil (insbesondere in Führungspositionen)
  4. Probleme bei der (erstmaligen) Anschaffung von Fahrzeugen: Hier gibt es oft Finanzierungsprobleme, aber auch fehlendes Wissen um technische Anforderungen und zielgruppenspezifische Bedürfnisse.
  5. Bestehende Hilfsangebote werden zum Teil nicht angenommen: Ehrenamtliche befürchten eine Überbürokratisierung ihrer Arbeit sowie die Gefahr des Verlusts der Autonomie. 

Ergebnisse des Projekts

Die Abschlussbroschüre des Projekts „Gemeinsam unterwegs“ stellt das Konzept, die Angebotsformen und die Motive der Mitwirkenden mit zahlreichen Beispielen aus der Region Ostwürttemberg vor. Weiteres Ergebnis des Projekts ist die neue Rubrik FAQ. Hier haben wir die wichtigsten Fragen und Probleme identifiziert und in einem Frage-Antwortkatalog beantwortet. Diese neuen Materialien ergänzen das bestehende Informationsangebot. Dort finden die Initiativen zukünftig weitere Hilfestellungen, die ihnen ihre zukünftige Arbeit erleichtern soll.

Hier geht es zu den Ergebnissen des Forums „Mobilität organisieren auf dem Land: Wir kümmern uns drum“, das Teil des Projektes KOMOBIL2035 war. Das Land Baden-Württemberg hatte „Kümmerer*innen“, die an verschiedensten Stellen in Verwaltung, Verbänden, anderen Einrichtungen oder auf ehrenamtlicher Basis für Mobilität auf dem Land engagieren, dazu eigeladen, Ihre Erfahrungen einzubringen.

„KOMOBIL2035 wird im Rahmen der Fördermaßnahme ‚Kommunen innovativ‘ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.“